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Isolierverglasungen, bewegliche „Energieschirme“, die auf- und zugefahren werden können, Verdunkelungen, Nutzung der Sonnenwärme: Mit diesen Methoden wollen Gartenbautechniker den Energieverbrauch in Gewächshäusern radikal herunterfahren. Ziel ist es, den Energieverbrauch um 90 Prozent zu senken und auf regenerative Energie zurückzugreifen. Forscher der Universität Hannover koordinieren dazu ein deutschlandweites Projekt, zu dem mehrere Versuchsgewächshäuser gehören. In Hannover stehen im Gewächshaus der Zukunft Topfpflanzen.
Wärme-Gefängnis
Verschiedene Systeme sorgen dafür, dass das Gewächshaus vom Energiefresser zum Sparfuchs wird. Die Wissenschaftler tüfteln besonders an der Heizung. Neben einer neu entwickelten Isolierverglasung haben die Gartenbautechniker eine bewegliche Zwischendecke eingebaut, die nachts zugefahren wird und so Heizenergie spart. Tagsüber wird der „Energieschirm" wieder geöffnet, damit die Pflanzen Licht bekommen. Zusätzlich nutzen die Techniker weitere Verdunkelungsklappen für Wände und Decken. „Diese Systeme, die eigentlich die Tag- und Nachtlänge für bestimmte Pflanzenarten künstlich steuern, können auch hervorragend zur Energieeinsparung eingesetzt werden, indem sie Wärme festhalten“, erläutert Hans-Jürgen Tantau, Professor für Biosystem- und Gartenbautechnik der Leibniz Universität Hannover.
Er spannt auch die Sonne ein. Solarzellen auf den Gewächshäusern sind zwar nicht möglich, weil sie den Pflanzen das Licht wegnehmen würden. Aber die durch die Sonneneinstrahlung entstehende Wärme wird nicht wie bisher abgelüftet, sondern eingefangen. „Dafür lassen wir die Lüftung geschlossen und setzen einen Wärmetauscher ein, um das Gebäude nachts mit der Energie zu beheizen“, erklärt Tantau.
Jahreszeitlich anbauen
Nicht nur durch Technik, auch durch den Anbau selbst wollen die Wissenschaftler Energie sparen. Im Winter bauen sie Pflanzen wie Feldsalat an, die niedrige Temperaturen benötigen; im Sommer dagegen hitzebeständige Pflanzen. Ein Gewächshaus verbraucht durchschnittlich etwa 40 Liter Öl pro Quadratmeter und Jahr. „Wir wollen diesen Energieverbrauch um 90 Prozent senken und die Restenergie langfristig möglichst über alternative Energien decken“, kündigt Professor Tantau an.
Trockene Luft
Die Wissenschaftler untersuchen die Auswirkung der energiesparenden Maßnahmen auf die Pflanzen. Zum Beispiel kann sich die Luftfeuchtigkeit erhöhen. „Eventuell muss die Luft entfeuchtet werden, damit keine Pilzkrankheiten entstehen", erläutert Professor Tantau. Er ist sich sicher, dass die Ergebnisse des Projekts für die deutsche Gartenbauwirtschaft zukunftsweisend sein werden: „Mit dem Vorhaben werden erstmals alle Einzelansätze gebündelt und in einem systemorientierten Ansatz auf ihre Anwendbarkeit für die gärtnerische Pflanzenproduktion untersucht.“
Niedersachsen, Innovation, Gesundheit, Landwirtschaft, Forschung